Cagliari ist nicht nur die Hauptstadt und das wirtschaftliche Zentrum der Autonomen Region Sardinien, sondern mit seinen rund 170.000 Einwohnern auch die größte Stadt der Insel. Die Stadt mit einer Fläche von gut 85 Quadtratkilometern liegt über mehrere Hügel verteilt am Golfo di Cagliari im Süden der Insel.

STRÄNDE
Östlich von Cagliari und nur wenige Kilomter vom Stadtzentrum entfernt, liegt der mehr als 10 km lange Stadtstrand, der Poetto. Der Strand ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und etwa 15 Autominuten vom Stadtzentrum entfernt. In den Sommermonaten können hier Liegestühle unter Sonnenschirmen gemietet werden, und zahlreiche Bars bieten das ganze Jahr über mit leichten Snacks und Salaten bis hin zu kompletten Mittagessen eine reiche Auswahl.

Am Anfang vom Poetto liegt der kleine Yachthafen Marina Piccola mit seiner modernen Promenade, die besonders in den Sommermonaten zu einer der Flaniermeilen der Cagliaritaner wird. Daran schließt sich der kilometerlange, breite und teilweise weiße Sandstrand an, der im Sommer natürlich zum Sonnen und Baden und in der übrigen Zeit zu herrlichen Strandspaziergängen einlädt. Der Poetto ist auch ein beliebter Spot für Windsurfer und andere Wassersportbegeisterte.

Nur einen Kilometer von Cagliari entfernt an der Spitze des Capo Elia befindet sich der deutlich kleinere Strand Cala Mosca. Der Sandstrand, der besonders flach ins Wasser geht und deshalb auch für kleine Kinder geeignet ist, wird von felsigen Buchten umrahmt, in denen Ortskundige auch schon mal Krebse und Ähnliches fangen.

SEHENSWÜRDIGKEITEN
Der Dom zu Cagliari mit seinem barocken Inneren wurde ursprünglich im 13. Jahrhundert von den Pisanern im gotisch-pisanischen Stil errichtet. Nach einem katalanisch-gotischen und barocken Zwischenspiel wurde im Jahr 1933 die Fassade wieder entsprechend den ursprünglichen pisanischen Bauplänen aufgebaut. Besonderes Augenmerk gilt dem Altarbild „Retablo della Crocifissione“ mit einer Darstellung der Kreuzigung(um 1530) sowie der Marmorkanzel des Bildhauermeisters Guglielmo. Erwähnenswert ist auch die Krypta, dessen Gewölbe mit 600 Rosetten verziert ist und in der die Überreste von rund 300 sardischen Märtyrern ihre Letzte Ruhestätte gefunden haben.

Das aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. stammende und direkt in einen Hang gebaute römische Amphitheater ist das größte römische Bauwerk auf Sardinien. Seine Blütezeit erlebte das Theater während der römischen Kaiserzeit. Heute ist das Anfiteatro Romano mit Führungen, die auch die unterirdischen Katakomben und Gänge zeigen, zu besichtigen. Im Sommer werden in dieser faszinierenden Open-Air-Kulisse, die mit Sitzbänken aus Holz ausgestatte ist, regelmäßig Konzerte und Festivals aufgeführt.

Der in der Via Tigellio nahe des Botanischen Gartens unter dem Namen Villa di Tigellio bekannte Komplex, war ursprünglich Teil eines eleganten Stadtteils, der Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. entstanden und mit einigen baulichen Veränderungen bis zum 6./7. Jahrhundert n. Chr. bewohnt wurde. Heute sind noch die Ruinen von drei an einer Gasse angrenzenden Wohneinheiten zu sehen. Die Ausgrabungen, die seit dem letzten Jahrhundert in verschiedenen Anläufen in Angriff genommen wurden, haben wertvolle Mauerverzierungen und Fußbodenmosaike zum Vorschein gebracht.

Die Basilika Nostra Signora di Bonaria mit ihrer imposanten Barockfassade ist eine viel besuchte Wallfahrtskirche an der Viale Bonaria. Von der ausladenden Freitreppe hat man eine wunderbare Aussicht auf den Golfo degli Angeli.

Die beiden Türme Torre dell’Elefante (der Name leitet sich von einem kleinen Marmorelefanten über dem Tor ab) und Torre di San Pacrazio sind Teil einer pisanischen Befestigungsanlage aus dem 14. Jh. Der Torre San Pancrazio hat seinen Namen von einer kleinen, nahgelegenen Kirche. Seit ihrer Renovierung im Jahr 1999 dienen diese ehemaligen Militäranlagen als Aussichtstürme, wobei der Aufstieg erfolgt über eine steile Holztreppe erfolgt.

Die 1901 im klassizistischen Stil erbaute Bastione San Remy mit ihren großzügigen Aussichtsterassen mausert sich nach der Aufwertung des Castello-Viertels zum Treffpunkt der Cagliaritaner: zwei open-air-Bars im modernen Design und mit viel Platz sind besonders am späten Abend einer der Anlaufpunkte der Stadt. Der Name geht auf den ersten piemontesischen Vizekönig, Baron de Saint Remy, zurück. Der Panoramablick von den Terrassen ist umwerfend und bietet besonders Touristen einen guten ersten Überblick über die Stadt. Ab und zu findet Sonntags auf der höher gelegenen Terrasse Santa Caterina ein kleiner Kunsthandwerker-Markt statt.

Tipp: Die Bastione kann nicht mehr nur über die zahlreichen Treppen, die vom Piazza Costituzione nach oben führen, erklommen werden, sondern ist auch mit einem Lift zu erreichen. Dieser liegt – etwas versteckt in einem kleinen Park – etwa 50 m vom Treppenaufgang entfernt auf der linken Seite der Viale Regina Elena.

Das Herz der Stadt ist sicher das Castello-Viertel mit seinen engen und verwinkelten Gassen. In den letzten Jahren wurden dort zahlreiche Häuser und Plätze restauriert, die das Viertel inzwischen aus seinem Dornröschen-Schlaf aufgeweckt und es zu einem Treffpunkt mit vielen Bars und Restaurants gemacht haben. Die Bastione di Sant Remy mit ihren großzügigen Terassen und die aus römischer Zeit stammenden Befestigungstürme bieten einen atemberaubenden Blick über die Stadt und den Golf von Cagliari.

Dem zwischen dem Castello und dem Hafen liegenden Marina-Viertel wurde ebenfalls ein Face-Lifting verpasst. Trotzdem lassen die engen Gässchen, in denen sich viele kleine Geschäfte und Restaurants angesiedelt haben, noch erahnen, wie die Stadt früher ausgesehen hat.

Eine steile Panoramastraße führt von der Via S. Vidal auf den mit Pinien bestandenen Monte Urpinu. Hier hat der Besucher einen herrlichen Panoramablick auf den nahegelegenen Sadtstrand Poetto mit seinem charakteristischen Hügel, dem Sella del Diavolo (Sattel des Teufels).

Wer mehr Zeit hat und sich für Kirchen interessiert, sollte sich auch die “Kleineren” ansehen: zu nennen sind hier Santa Restituta, Sant’Efisio, Sant’Eulalia, San Saturnino, San Giacomo und San Michele.

MUSEEN
Das kulturelle Leben Cagliaris ist sehr vielfältig. Ein Muss ist sicher der Besuch der im Castello ansässigen Cittadella die Musei an der Piazza Arsenale, dessen moderne Architektur eine gelungene Kulisse für die dort ausgestellten Sammlungen ist. Im Museo Archeologico Nazionale können die Besucher neolithische und frühbronzezeitliche Objekte, Miniaturen der Nuraghen und Fundstücke aus diesen archaisch anmutenden Monumente bewundern. Die Zeugnisse aus phönizisch-punischer und römischer Zeit – Vasen, Amphoren, Glaser, Münzen, Statuen und Mosaike – geben einen Eindruck von der wechselvollen Geschichte der Insel.

Die ebenfalls in der Cittadella untergebrachte Pinacoteca Nazionale zeigt eine bedeutende Sammlung von tafelartigen Altarbildern und auch Freunde der ostasiatischen Kunst kommen in der kleinen, aber interessanten Ausstellung Museo d Arte Siamese Stefano Cardu auf ihre Kosten. In der Mostra di Cere Anatomiche können mehr als 20 anatomische Wachsmodelle bewundert werden, die zwischen 1803 und 1805 von Clemente Susini hergestellt wurden.

Wer sich für modernere Kunst interessiert, sollte in den Giardini Pubblici die Galleria Communale d Arte besuchen. In dem neoklassizistischen Gebäude, das komplett renoviert und 2003 der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht wurde, ist unter anderem die Kunst- und Gemäldesammlung der Familie Ingrao ausgestellt. Die Werke aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammen unter anderem von Angelo Ingannis, Gioacchino Toma, Mario Sironi, Filippo De Pisis und Giorgio Morandi.

Es gibt auch zahlreiche andere Gebäude, in denen wechselnde Ausstellungen jeglicher Art präsentiert werden. Zu nennen ist hier zum einen das im Stadtzentrum an der Via San Lucifero liegende Centro Culturale d Arte e Cultura, kurz EXMA genannt. Der ehemalige Schlachthof wurde liebevoll renoviert und im Innenhof kann man sich vom Lärm der Straßen in einem kleinen Cafe erholen. Lediglich steinerne Tierköpfe an dem Hauptgebäude erinnern an die ursprüngliche Funktion der Anlage.

Aber auch im Castello San Michele finden wechselnde und wichtige Ausstellungen statt. Das vor wenigen Jahren aufwändig restaurierte Castello liegt in einer großen Parkanlage mit weitläufigen Rasenflächen. Zum Castello gelangt man entweder zu Fuß (im Sommer etwas mühsam, da der Weg relativ steil wird) oder – wenn Ausstellungen stattfinden – mit einem Kleinbus, der regelmäßig und kostenlos die Besucher vom Parkplatz zum Castello fährt. In einer Bar etwas unterhalb des Castello kann man sich von den Mühen des Aufstiegs erholen oder einfach den herrlichen Ausblick auf Cagliari und das Hinterland genießen.

Wer sich dagegen für Eisenbahnen interessiert kann im Monserrato, gegenüber dem Eisenbahndepot der „Ferrovie della Sardegna“, in der Via Pompeo das 1997 eröffnete Schmalspurmuseum besuchen. Dort können alte Lokomotiven und Waggons von außen und innen unter die Lupe genommen werden. Eine Fotoaustellung zeigt die Anfänge der sardischen Schmalspurbahn. So kurios wie das Museum sind leider auch seine Öffnungszeiten: Dienstag und Mittwoch von 9 – 13 Uhr und 15 – 18 Uhr, Sonntags und an den Feiertage geschlossen.

MUSIK UND THEATER
Im modernen Opernhaus Teatro Comunale di Cagliari an der Via Sant’Alenixedda wurde 1993 eröffnet und bietet mehr als 1600 Besuchern Platz. Die Konzerte werden in der Regel vom Ende Oktober bis Mitte Mai aufgeführt, wobei häufig hochkarätige Musiker wie Gideon Krämer oder Katia e Marielle Labèque ihr Stelldichein geben. Die Bandbreite des Programms ist sehr groß: so wird das klassische Programm durch Konzerte von weltbekannten Jazzmusikern wie Paolo Fresu, Carla Bley oder Keith Jarrett aufgelockert. Die Opern- und Ballettspielzeit, die mit einer Erstaufführung eröffnet wird, die in ganz Italien Interesse hervorruft, läuft von April bis Dezember mit einer längeren Pause im August und September.

Vorverkauf und Abendkasse: Mo-Sa: 10.00-14.00, 17.00-20.00, Tel.: +39 (070) 40 82 230, E-Mail: biglietteria@teatroliricodicagliari.it. Mehr Info: www.teatroliricodicagliari.it

PARKANLAGEN
Cagliari bietet aber nicht nur Kunst und Kultur, sondern auch viele Parks, in denen es sich gut entspannen lässt. Zu nennen sind hier sicher der Orto Botanico und die Giardini Pubblici.

Im September 2006 wurde der Stadtgarten, die Giardini Pubblici, nach 18 Monaten Umbauzeit wieder für die Bürger geöffnet. Auf der breiten und etwa 300 Meter langen zentrale Allee flanieren die Cagliaritaner besonders gerne am Wochenende und treffen sich mit Freunden und Bekannten zum Plausch. Große Rasenflächen bieten genügend Platz zum Entspannen und eine Auslauffläche für Kinder. Besonders im Sommer bietet der Park aufgrund seiner schattigen Lage unterhalb der Mauern des Stadviertels Castello und seiner zahlreichen Bäume Schutz vor der großen Hitze. Zwei gigantische und mehr als 125 Jahre alte Feigenblattbäume mit ihren starken, hängenden Ästen sind der Treffpunkt der Kinder, die sich hier im Klettern üben. In den Giardini liegt auch die Galleria Comunale d Arte: zwei große Wasserbecken am Ende der Allee auf einem kleinen Platz weisen den Besuchern den Weg.

Der 1866 eingeweihte und im 2. Weltkrieg weitgehend zerstörte Botanische Garten (Orto Botanico) an der Viale S. Ignazio di Laconi 11 bietet auf einer Fläche von 5 ha neben einheimischen Pflanzen einen schattigen Palmengarten, eine umfangreiche Kakteensammlung und einen äußerst interessanten Heilkräutergarten. In einem Gewächshaus werden tropische Pflanzen ausgestellt. Eine große römische Zisterne auf dem Gelände kann mit Führung besucht werden. Besonders im Sommer, wenn der Trubel am Stadtstrand Poetto so richtig losgeht und die Temperaturen locker auf über 30 Grad steigen, ist der Botanische Garten das Richtige, wenn man Ruhe und Abkühlung sucht. Der Besucher kann durch die Anlage streifen und sich unter den Schatten spendenden, hohen Bäumen auf eine der zahlreichen Bänke setzen. Springbrunnen und andere Wasserspiele sorgen für eine zusätzliche Erfrischung. Auch Kinder kommen in dieser Anlage voll auf ihre Kosten!

Öffnungszeiten: 8 – 13.30, 15 – 19 Uhr, Eintritt: 2 Euro (mit italienisch-sprachiger Führung 3 Euro).

Der Park am Monte Urpinu ist besonders im Sommer ein Treffpunkt für Familien: Pinien und relativ hohe Bäumen spenden Schatten und kleine Rasenfläche bieten den Kindern Platz zum Austoben. Auf einem Campetto wird Fußball gespielt und Rutschen, Schaukeln und Klettergerüste sorgen für die nötige Abwechslung. Eine kleine Bar mit Außensitzplätzen bietet alle nötigen Erfrischungen. Aber auch wer spazieren gehen möchte kommt auf seine Kosten, denn auf kleinen Alleen kann der weitläufige Park erkundet werden.

Der Parco Monte Claro, der dem Colle San Michele gegenüberliegt, wurde auf einem ehemaligen Militärgelände angelegt: Große Rasenflächen, ein Spielplatz, ein kleiner See mit Enten und Gänsen machen ihn zum Treffpunkt von Familien. Wer etwas mehr Ruhe haben möchte, kann auf bequemen Wegen den Hügel erklimmen und dort einen herrlichen Panoramablick genießen.

FESTE UND FOLKLORE
Am 1. Mai ist es soweit! Dann findet in Cagliari das wohl bekannteste und wichtigste religiöse Fest Sardiniens, die Sagra di Sant Efisio, statt. Tausende von Schaulustigen strömen jedes Jahr nach Cagliari, um an dieser farbenfrohen Tradition teilzunehmen. Diese Prozession, an der Folksgruppen aus ganz Sardinien mit ihren traditionellen Kostümen teilnehmen und aufwändig geschmückte Karren von gigantischen Ochsen gezogen werden, geht auf ein Gelübde zurück, dass die Cagliaritaner im Jahre 1652 ihrem Schutzpatron, dem heiligen Efisius, gemacht hatten, als in der Stadt die Pest wütete: Im Tausch für Hilfe versprachen sie ihm einen festlichen Ritus, der seit der erfolgreichen Bekämpfung der Pest wenige Jahre später alljährlich am 1. Mai gefeiert wird. In diesem Jahr findet das farbenfrohe Spektakel bereits zum 350. Mal statt.

KURIOSES
Eis der anderen Art: Eisfreunde können nach einem Besuch des Botanischen Gartens die Eisdiele „Il Gelato Aresu“ auf dem Corso Vittorio Emanuele 224 aufsuchen: neben klasssichen Eissorten wie Straciatella, Banane, Zitrone oder Schokolade werden auch sehr außergewöhnliche Sorten wie Schokolade mit Chilli, Lakritze, Tzaziki, Gurke oder Zitrone mit Safran saisonal angeboten.